Kaum ist der Amazon Cloud Player gestartet, gibt’s auch schon Stress. Nachdem Amazon seinen Cloud Service gestern gelauncht hat, klopften prompt die Plattenlabels an die Tür und fragten nach gültigen Lizenzen.
Die hat Amazon nicht – man sei der Ansicht, man brauche für das Speichern von MP3-Dateien in der Cloud keine extra Lizenz, wie ein Sprecher des Unternehmens mitteilte. “The functionality of saving MP3s to Cloud Drive is the same as if a customer were to save their music to an external hard drive or even iTunes”, sagte Amazon der Technikseite AllThingsD.
Anscheinend spielen die Amazonier ein Spiel mit hohem Risiko: Anders als Apple und Google, die derzeit noch in Verhandlungen mit den großen Plattenlabels stecken, um rechtliche Fragen rund um das Streamen von Musik über die Cloud bereits im Vorfeld auszuräumen, hat Amazon einfach mal gemacht und den Cloud Service gelauncht, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen.

Ob der Online-Versandriese damit durchkommt, bleibt abzuwarten. Klagen gab es bisher keine, auch wenn manche der Ansicht sind, dass Amazon zumindest mit seinem Cloud Player illegal handelt. “We hope that they’ll reach a new license deal”, sagte Liz Young von Sony Music der Nachrichtenagentur Reuters. “We’re keeping all of our legal options open.”
Klingt nicht gut für Amazon; noch scheint es aber, dass sich die Gemüter der Plattenbosse vor allem an Amazons Umgang mit der Problematik erhitzen, ganz nach dem Motto: Man hätte uns ja mal fragen können. Das Unternehmen hatte die Musikindustrie erst letzte Woche über seine weit fortgeschrittenen Pläne informiert und den Cloud Service gestern ohne Zögern gestartet.
Könnte sein, dass sich das hohe Pokern von Amazon am Ende lohnt und die Musikindustrie mitzieht. Das hieße für die Plattenlabels allerdings auch, dass die Verhandlungen mit Google und Apple ebenfalls auf der Kippe stehen und sie bei der Verteilung des großen Streaming-Kuchens am Ende leer ausgehen könnten. Und das wird von den großen vier – EMI, Sony Music, Universal Music Group und Warner Music – ganz sicher keiner wollen.

[via Ars Technica, AllThingsD, Reuters]
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