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Totschlagargument im Patentkrieg: Apple hat Android erfunden – sagt Apple

Am: 06. September 2011 um: 10:40 von: Johannes Wallat

Im erbitterten Patentstreit zwischen Apple und allem, was das Android-Label trägt, hat der Konzern jetzt ein neues As aus dem Ärmel gezogen, mit dem wohl keiner gerechnet hat. Das Totschlagargument lautet: Apple hat Android erfunden!

Hä, wie jetzt?! So abwegig das klingt, so ernst ist es Apple anscheinend mit dieser Behauptung. In einem laufenden Verfahren gegen HTC brachte Apple gegenüber der ITC jüngst dieses Argument ein. Der Hintergrund: Andy “Android” Rubin, der gemeinhin als “Vater” von Googles mobilem Betriebssystem gilt, hat in den 90er Jahren bei Apple gearbeitet und dort an einem Patent mitgewirkt, das später die Inspiration für die Entwicklung von Android geliefert haben soll.

Die ganze Sache klingt ziemlich absurd, doch trotz allem hält Apple daran fest. Ob das nun ein Zeichen von Verzweiflung, von Größenwahn oder im Gegenteil ein völlig gerechtfertigtes Argument ist, bleibt jedem selbst überlassen.

Andy "Android" Rubin [Bild via: talkandroid]Tatsache ist: Apple hat Andy Rubin in den neunziger Jahren einen Job als Entwickler gegeben. Damals war Rubin an der Entwicklung einer Echtzeit-Programmierschnittstelle mit der Patentnummer 263 beteiligt, die laut Apple angeblich auch bei Android Verwendung findet.

Ein Zitat von Apple aus der laufenden HTC-Klage:

Android and Mr. Rubin’s relevant background does not start, as HTC would like the Commission to believe, with his work at General Magic or Danger in the mid-1990s. In reality [...] Mr. Rubin began his career at Apple in the early 1990s and worked as a low-level engineer specifically reporting to the inventors of the ’263 [realtime API] patent at the exact time their invention was being conceived and developed.”

Die Netzgemeinde ist weitestgehend empört über die Auswüchse, die Apples Klagewelle langsam annimmt, doch anscheinend ist man sich in Cupertino seines guten Rufs sehr sicher. Im Verfahren gegen HTC hat das Argument zwar kaum Bedeutung, jedoch könnte es noch einmal ins Gewicht fallen, wenn Google den Deal mit Motorola in trockenen Tüchern hat und Apple weiteres Wasser abgräbt.

Wie Florian Müller von Foss Patents in seinem informativen Beitrag darlegt, könnte Apples Klage auf Verletzung des Patents 263 nämlich durchaus stattgegeben werden, weil Rubin vorsätzlich gehandelt hat und als ehemaliger Angestellter intellektuelles Eigentum seines ehemaligen Arbeitgebers gestohlen hat – so könnte es zumindest ausgelegt werden.

Wenn das so weitergeht, ist bald alles, was irgendwie mit PCs, Smartphones und Tablets zu tun hat, irgendwie eigentlich von Apple erfunden worden – dabei wurde doch schon geklärt, dass das Ur-Tablet aus Stanley Kubricks monumentalem Meisterwerk “2001: Odyssee im Weltraum” stammt.

[via: tomshardware, fosspatents]

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